Discipline Global Mobile DGM 0006

... höchst bemerkenswert ...

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Es ist ein gewagtes Unternehmen, eine solche CD auf den Markt zu bringen – und gerade deshalb ein höchst bemerkenswertes! Bisher sind meist aus den Vihuela- und Lautenbüchern des 16. Jahrhunderts lediglich die „Originalkompositionen" der jeweiligen Kompilatoren und Komponisten herausgesucht worden, wenn es darum ging, Platten- ader Konzertprogramme zu gestalten. Tabulaturbücher, die weitgehend aus Intavolierungen bestehen, fielen auf diese Weise unter den Tisch, dabei rühmten sich damals die Herausgeber oft gerade mit den in den Büchern enthaltenen arrangierten Vokalkompositionen.

Josquin des Prez (ca. 1450-1521) war ein höchst beliebter Lieferant von Vorlagen und überhaupt einer der berühmtesten Meister um 1500. Ottaviano Petrucci, der erste „Musikverleger" der Geschichte, druckte einige seiner Werke.

Howard Mayer Brown verzeichnet in seinem Buch Instrumental Music Printed Before 1600 (Cambridge/Mass. 1967) über 60 gedruckte Quellen mit Instrumen-talmusik um 1600 – darunter viele Bücher mit Tabulaturen fur Laute oder Vihuela. Einige davon hat Jacob Heringman fur seine CD ausgesucht – darunter drei sechsstimmige Motetten, Messensätze und ein paar Chansons. Unter den Intavolatoren (der Werke auf der CD) sind Bakfark, Spinacino, Capirola, Hans Newsidler, Hans Gerle und auch die Vihuelisten Mudarra, Narvaez und Fuenllana.

Heringman geht das Werk mit viel Ruhe und Atem an –, und das ist schließich der einzige Weg, dieser Musik nahe zu kommen. Keine spektakulären Tanzmotive, keine virtuosen Fantasien oder Ricercari, sondern weit angelegte, sakrale Chormusik, weit entfernt vom Denken in sportiven Dimensionen, das es natürlich auch in der Lautenmusik immer gegeben hat. Aber diese Stücke sind niemals fur den Vortrag gedacht gewesen, und das ist auch das Einzige, was man Heringman vorwerfen könnte. Dies waren keine Konzertstucke, und man kann auch keine daraus machen. Diese Musik ist fur den nachdenklichen Moment im stillen Kämmerlein geeignet, sicher aber nicht fur die „normale" Konzertumgebung. Wer sich die Zeit und die Ruhe nimmt, erfährt eine neue Lautenmusik des frühen 16. Jahrhunderts – und sicher eine sehr authentische, denn bei weitem mehr Intavolierungen wurden „konsumiert" als Tänze und Ricercari.

Gitarre und Laute, February 2001

translations of highlights

It is a daring, and therefore highly noteworthy, undertaking to bring a CD such as this one into the marketplace. . . .

Heringman’s approach to this music is calm, and with plenty of space and breath. Ultimately, this is the only way to approach this music. . . . This music is suited to contemplative moments in intimate chambers. . . . He who takes the time and allows the space will experience a new lute music of the early sixteenth century, and surely a highly authentic one: at the time far more intabulations were performed than dances and ricercars.

Five stars *****